Gesicht..er Zeigen

Der Verein Tradition und Zukunft und Künstler Sandro Porcu wollen unbelebten Häusern in Zittau mit menschlichen Figuren ein Gesicht geben. Für die werden Perücken und Kleidung benötigt.
Von Thomas Christmann
Wenn Architekt Benjamin Pfeffernkorn durch die Stadt mit ihren historischen Ge- bäuden innerhalb des Grünen Rings oder entlang der Häuserfassaden der Gründerzeit spaziert, wird ihm leider eines klar: Die aus seiner Sicht prachtvollen Objekte vollständig zu erhalten, hat weiterhin oberste Priorität und bedarf auch in den kommenden Jahren noch großer Anstrengungen.
Um diese Gebäude nicht aus den Augen zu verlieren, sondern sprechen zu lassen, hat er mit dem Verein Tradition und Zukunft sowie dem Künstler Sandro Porcu das Projekt „Gesicht…ter zeigen“ entwickelt. Der Kirschauer Künstler stellt realistisch aussehende menschlich Figuren her, die in den oberen Fenstern leerstehender Häuser installiert und mit einer Solarlampe indirekt angeleuchtet werden. Die Objekte bekämen dadurch Leben eingehaucht, sagt Benjamin Pfefferkorn. „Der Blick der Spaziergänger richtet sich vielleicht eher zufällig nach oben“, meint er. Und dann würden diese am Fenster den Beobachter sehen, der sich das Treiben auf der Straße an- schaue. „Der Passant trägt ein Lächeln im Gesicht nach dieser Begegnung und wird es weitererzählen“, so der Architekt. Er hofft, über das Projekt auf die Gebäude und ihren Zustand aufmerksam zu machen, eventuell Investoren dafür begeistern. „Die Häuser brauchen Hilfe.“
Am Donnerstag und Freitag (11 bis 18 Uhr) baut Sandro Porcu die Puppen im Atelier im Fischhaus auf der Inneren Weberstraße auf. Interessierte können ihm in der Zeit bei der Arbeit zuschauen. „Benötigt werden noch verschiedene Perücken und Bekleidung, die gerne vor Ort abgegeben werden können“, teilt Benjamin Pfef- ferkorn mit. Die Figuren bekommen anschließend in verschiedenen Objekten ei- nen Platz am Fenster, unter anderem in den vom Verein genutzten Fleischbänken und in den Jugendstil-Gebäuden des Architekten am Külzufer 17 und der Hochwald- straße 19 und 21. Darin hat der Eigentümer auch schon eine solche Figur stehen, die abends angeleuchtet wird. So mancher hätte schon Fotos davon gemacht, berichtet er. Auch in der fünfteiligen Doku-Serie „Hart an der Grenze“ des ZDF über Zittau und seine Menschen ist die Puppe zu sehen.
Das Projekt wird mit Mitteln des Freistaates Sachsen finanziert.
Der Eigentümer der Gebäude Hochwaldstraße 19/21 in Zittau, Benjamin Pfefferkorn (li.) und Künstler Sandro Porcu arbeiten an den Puppen.
Foto: Rafael Sampedro




